Ausstellung von Tobias Premper in der LITERA Buchhandlung
Mit der Ausstellung „Rafael Hausmann“ präsentiert die LITERA Buchhandlung in der Jakobistraße nach „Unlesbar“ im letzten Jahr eine weitere Arbeit des Künstlers und Autors Tobias Premper.
April 2006. Die LITERA Buchhandlung ist bis auf ein winziges Guckfenster mit einem schwarzgelben Klebeband verhüllt. Auf dem Klebeband steht in schier endlosen Wiederholungen „unlesbar, unlesbar, unlesbar…“. Die Fernwirkung reicht bis um die Ecke des Lister Platzes auf die Lister Meile und zieht Besucher aus aller Welt an, um diesem wohl gelungensten Verhüllungsspektakel beizuwohnen, seit Christo und Jeanne-Claude 1995 den Berliner Reichstag verpackt haben. Drei volle Tage schnuppert Hannover Kunst-Weltstadtstatus. Verantwortlich dafür zeichnen sich Tobias Premper und Malte Nies, die in Zusammenarbeit mit Hildegard George von LITERA ihr neues Buch „Bremsspur 4 – Unlesbar“ vorstellen. Bücher aller Kategorien sind dabei mit dem pamphletischen Klebeband umwickelt, weder Autor, noch Titel, noch ein einziges Wort sind lesbar. „Eine grandiose Buchverweigerung“, lobt Dirk Dobke vom Dieter Roth-Schimmelmuseum in Hamburg. Und tatsächlich: Premper und Nies zeigen sich mit ihrem neuen Buch in Bestform und stoßen nach Jahren des abgeschiedenen Schaffens endlich in Sphären vor, in denen zum Beispiel auch die Literaturwurst von Dieter Roth schwebt (Roth schredderte dabei z.B. das Gesamtwerk von Martin Walser und verpackte es in Wurstdärmen).
August/September 2007. In der LITERA Buchhandlung ist ein alter Lederkoffer mit über 250 Reclambüchern zu sehen. Alle Bücher sind von vorne bis hinten mit schwarzen Balken übersäht. Dazu sehen wir zahlreiche Fotos eines Arbeitszimmers, in dem der Koffer, eine Madonna, ein Anzug, ein Schreibtisch und ein Portraitbild stehen. Mehrere Reclambändchen liegen aufgeschlagen im Fenster. Ihr Inhalt wurde durch das Übermalen ausgewählter Passagen verändert.
Und wieder taucht der Name Tobias Premper auf. Im Schaufenster präsentiert er seine Arbeit „Rafael Hausmann“, die die skurille Miniaturbibliothek eben jenes von Premper erfundenen Rafael Hausmanns zeigt. Über 4 Jahre hat Premper daran gearbeitet, hat sich wie sein imaginäres Vorbild Hausmann versteckt gehalten und beeinflusst jetzt eine ganze Generation von Künstlern, die ihn ignorieren. Vergleiche mit Pessoas legendärer Manuskripttruhe, in der sich über 25.000 beschriebene Seiten befinden, werden wach. Und auch Man Ray tänzelt auf leisen Sohlen als Tagschatten um die LITERA Buchhandlung. Wenn man die Reihe der literarischen und künstlerischen Vorbilder weiter verfolgt, landet man am Ende wieder bei Dieter Roth. Premper ist auf jeden Fall in der Lage, die schwere Last seiner Vorgänger aufnehmen zu können und sie ein Stückchen weiterzutragen. Noch bis 19.9.2007 in der LITERA Buchhandlung in Hannover, Jakobistraße 12.